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Adventisten und Evangelikale im Gespräch
15. August 2006
Prag/Tschechien [APD]
Vertreter der
Weltkirchenleitung (Generalkonferenz) der Siebenten-Tags-Adventisten und der
Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA) trafen sich zu theologischen Gesprächen
vom 8. bis 11. August im Internationalen Baptistischen Theologischen Seminar (IBTS)
in Prag.
Obwohl in den letzten 50
Jahren verschiedene informelle Kontakte bestanden, war es das erste offizielle
Treffen beider Weltgemeinschaften. Aufgrund dieser Kontakte ergab sich der
jetzige Dialog, der zu einem besseren gegenseitigen Verständnis der
theologischen Positionen führen, Klischeevorstellungen abbauen, die jeweiligen
Glaubensgrundlagen klarlegen, tatsächliche und vermeintliche Spannungspunkte
erkennbar machen und mögliche Bereiche für eine Zusammenarbeit erkunden sollte.
Zur Gesprächsdelegation der
Weltweiten Evangelischen Allianz gehörten Dr. Rolf Hille, Vorsitzender der
Theologischen Kommission der WEA, Dr. Jürg Buchegger, Pastor James Kautt, Dr.
Herbert Klement, Dr. Ian Randall und Dr. Reinhard Hempelmann.
Die adventistische Kirche
war beim Dialog durch Dr. John Graz, Generalsekretär des Rates für
zwischenkirchliche und interreligiöse Beziehungen der Generalkonferenz, Dr.
Niels-Erik Andreasen, Dr. Bert B. Beach, Dr. Kwabena Donkor, Dr. King-Yi Eugene
Hsu, Dr. William G. Johnsson, Dr. Teresa Reeve und Dr. Angel Manuel Rodríguez
vertreten. Den Vorsitz der Gesprächsrunde hatten Dr. Rolf Hille und Dr. John
Graz gemeinsam.
Die Gespräche wurden durch
Referate und Präsentationen ergänzt, in denen sich die Freikirche der
Siebenten-Tags-Adventisten und die Weltweite Evangelische Allianz selbst
darstellten. Die Delegierten diskutierten aus der Glaubensbasis der
Evangelischen Allianz das Bekenntnis zur Heiligen Schrift, zur Dreieinigkeit
Gottes, zu Christus als dem Herrn, zur Rechtfertigung durch den Glauben, zur
Wiedergeburt des Menschen, zum Priestertum aller Gläubigen und zum Glauben an
die Wiederkunft Jesu. Die Referate der adventistischen Theologen behandelten die
Themen "Bibelauslegung", "Die Gebote, das Evangelium und der Sabbat" sowie "Beziehungen
zu anderen Kirchen".
Die Teilnehmer pflegten
gemeinsame Andachten und Gebetsgemeinschaften. "Der Dialog offenbarte ein großes
Maß an Übereinstimmung zwischen der Glaubensbasis der Allianz und den
Glaubensüberzeugungen der Adventisten", heißt es in der Abschlusserklärung der
Prager Gespräche. Die Begegnung habe im Geist der Treue und Ehrfurcht vor Gott
stattgefunden. Beide Dialogpartner hätten einen festen Glauben an die
Inspiration und Autorität der Bibel sowie die gemeinsame Sorge um ein vereintes
christliches Zeugnis in einer Zeit des zunehmenden Säkularismus und religiösen
Pluralismus geteilt.
Zum Abschluss des Treffens
wurden die Einzelheiten für eine zweite Konsultation festgelegt, die vom 6. bis
10. August 2007 auf dem Gelände der adventistischen Andrews Universität in
Berrien Springs, Michigan/USA, stattfinden soll. Dort sollten unter anderem die
folgenden Themen besprochen werden: Die Rolle und Autorität von Ellen G. White (Mitbegründerin
der Freikirche), das adventistische Verständnis der biblischen Apokalyptik
einschließlich der Lehre vom Gericht vor der Wiederkunft Jesu und der Lehre der
"Übrigen" als Gottes Volk sowie Tendenzen innerhalb der evangelikalen Bewegung.
Die Weltweite Evangelische
Allianz repräsentiert etwa 420 Millionen evangelikale Christen in 127 Staaten.
Zur Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten zählen 15 Millionen Mitglieder und
20 Millionen Zugehörige in 204 Ländern. In Deutschland gibt es 36.000, in der
Schweiz 4.300 und in Österreich 3.700 Mitglieder.
Die Adventisten haben bisher
auf Weltebene bilaterale Gespräche mit dem Lutherischen Weltbund (1994-1998),
dem Ökumenischen Patriarchat in Istanbul (1996), dem Reformierten Weltbund
(2001), dem Päpstlichen Rat für die Einheit der Christen (1999-2003) und der
Heilsarmee (2004-2005) geführt. |